Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Was tun bei Entzündungen der Mundschleimhaut?

Für manche Patienten ist sie die quälendste Nebenwirkung einer Krebsbehandlung: die therapiebedingte Entzündung der Mundschleimhaut. Betroffenen fällt das Kauen, Schlucken und Sprechen schwer. Entzündungen der Mundschleimhaut, im Mediziner-Deutsch orale Mukositis genannt, kann man zwar nicht komplett verhindern,  aber ihre Folgen lassen sich lindern.

Etwa jeder dritte Chemotherapie-Patient klagt über eine erhöhte Empfindlichkeit der Mundschleimhaut. Der gesamte Mundraum ist während der Therapie besonders empfindlich. Es entstehen schnell wunde Stellen, manchmal sogar Bläschen. Sie schmerzen nicht nur, sondern bilden die Eintrittspforten für alle möglichen Entzündungserreger. Noch sehr viel häufiger betroffen sind Patienten, die wegen ihrer Krebserkrankung im Kopf- oder Halsbereich bestrahlt werden müssen. Zwar versuchen Strahlentherapeuten, mit den energiereichen Strahlen möglichst ausschließlich Tumorgewebe zu treffen; aber allein beim Durchtritt dieser Strahlen bis zum Tumor werden umliegende Zellen geschädigt.

Sorgfältige Mundpflege - sanft, aber gründlich
Wer wegen Übelkeit nur wenig oder gar nichts essen kann, wen Schmerzen im Mund plagen, wer angesichts seiner Lage ohnehin nicht bester Stimmung ist – der vergisst auch häufiger mal das Zähneputzen. Sorgfältige Mundpflege ist jedoch die wichtigste Voraussetzung, sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Schleimhautentzündung.

Zur zwei- bis dreimal täglichen Zahnpflege gehört das Putzen mit einer weichen Zahnbürste und die Reinigung der Zahnzwischenräume mit sogenannten Interdentalbürsten.

Achten Sie aber darauf, das Zahnfleisch nicht zu verletzen. Vorsichtiges, gründliches Reinigen ist immer besser als kraftvolles Schrubben. Rütteln Sie mit einer weichen Zahnbürste von "rot nach weiß", also vom Zahnfleisch hin zu den Zähnen, und das jeweils im Ober- wie im Unterkiefer und vergessen Sie nicht, auch die Kauflächen zu reinigen. Auch regelmäßige Mundspülungen mit alkoholfreiem Mundwasser oder mit Salbeilösungen empfinden Patienten als sehr angenehm. Von Kamillelösungen ist eher abzuraten, denn sie verstärken das Gefühl der Mundtrockenheit.

Trinken Sie viel, vermeiden Sie Saures
Die Speichelproduktion kann sich unter der Therapie soweit verringern, dass es zu unangenehmen Belägen im Mund kommt. Es ist ratsam, diese Beläge vorsichtig abzuwischen und den Mund anschließend zu spülen.

Gegen die Mundtrockenheit sollten Sie möglichst viel trinken. Erlaubt ist, was schmeckt – allerdings möglichst keine sauren Fruchtsäfte, auch wenn die zunächst erfrischend schmecken. Die Säure schadet den Zähnen und fördert die Ansiedlung von Krankheitserregern. Erfahrene Tumorpatienten empfehlen viel Wasser und Kräutertees oder auch einen Aufguss aus frischem Ingwer.

Wenn Sie am Zahnfleisch, an den Wangeninnenseiten, am Gaumen oder an der Zunge rote Stellen bemerken, die möglicherweise auch schon schmerzempfindlich sind, dann sprechen Sie uns unbedingt an. Dann ist es wichtig, gegen die Entzündungen gezielter vorzugehen.

Bitte sprechen Sie uns an

Es gibt viele unmittelbar auf die betroffene Schleimhaut aufzutragende Mittel, die für sich in Anspruch nehmen, gegen therapiebedingte Entzündungen wirksam zu sein. Tatsächlich hat eine erst kürzlich veröffentlichte Untersuchung gezeigt, dass all diese Salben, Lösungen und Sprays nur begrenzt hilfreich sind. Andererseits ist es meist nicht sinnvoll, Medikamente einzunehmen, weil sie auch an anderer Stelle im Organismus – beispielsweise im Magen-Darmtrakt – wirken und deshalb weniger verträglich sind als lokal anzuwendende Mittel. Wenn Sie ein entsprechendes Mittel benötigen, werden wir Ihnen bei der Auswahl behilflich sein.

Neben den typischen rötlichen Veränderungen können sich im Mund auch weiße Plaques bilden. Dabei handelt es sich in aller Regel um krankmachende Pilze, die sich wegen der eingeschränkten Abwehrfähigkeit der Mundschleimhaut in der Mundhöhle angesiedelt haben. Auch auf diese Veränderung sollten Sie uns sofort aufmerksam machen, damit wir dagegen gezielt vorgehen können.

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